PREMIERE am 24.6.2010 20:00
"DIE FABELHALFTE WELT DER FRANKEN"
Michl Zirk-Erzähler Hildegard Pohl Pianistin Yogo Pausch Trommler

Ihre Open-Air- Produktionen in der Katharinenruine haben bereits Tradition. So fand das Trio zuletzt mit den Feinen fränkischen Fantasien eine große
Anhängerschaft, die sich in diesem Jahr auf Musik und Geschichten aus einer anderen Welt, freuen können, nämlich aus Franken. Einer Welt voller
unvorstellbarer Rätsel, geheimnisvoller Schönheit und nicht zu fassendem Humor. Yogo Pausch, der schrille Hofnarr an den Trommelstöcken, Hilde Pohl, Frankens einzige swingende Piano-Prinzessin und Michl Zirk, poetischer Jongleur mit den Worten, lüften an einigen Stellen die Schleier des Geheimnisses und lassen den Blick schweifen in eine sagenhafte Welt, in der alles möglich ist: Rotkäppchen aus Schwarzenbruck, Rapunzel vom Burgberg, Till Eulenspiegel aus Gostenhof, Zwerge aus Großreuth.......und das Publikum hat, wie im echten Märchen, sogar einen Wunsch frei! Zirk,Pohl,Pausch - im Märchenrausch!
Dem allerschönsten Dialekt setzte Hermann Strebel einst in Reimform ein Denkmal. Der Nürnberger Mundartdichter hätte an Schlagwerker Yogo Pausch, Pianistin Hilde Pohl und Geschichtenerzähler Michl Zirk sicher seine Freude gehabt. (Nürnberger Zeitung)
Donnerstag, 24. Juni 2010
Mittwoch , 28. Juli 2010
Uhrzeit Beginn 20:00 Uhr
Veranstaltungsort KunstKulturQuartier KATHARINENRUINE
Veranstalter KunstKulturQuartier, st. katharina open air
Vorverkaufsinfo Kultur Information in der Nürnberg Info, Kopfbau, Königstr. 93, 90402 Nürnberg, Tel. 09 11/231 4000 Online Vorverkauf
Die Sommersprossen des Swing
Frisch aus Franken: Das Hilde Pohl-Trio
Schlecht drauf? Energielos? Gibt’s nicht mehr: «Swing & Roses» ist nicht nur ein musischer Leckerbissen von Könnern aus der Region, diese CD transportiert Schwung und gute Laune direkt in den Organismus. Das Hildegard Pohl-Trio wagte sich von «Rote Rosen» bis «Sommersprossen» an die eingängig-berührenden Songs der weltberühmten Hildegard Knef – und beeindruckt mit eigenen, differenzierten Interpretationen.
Schwelgen, Flippen, Träumen, Tanzen, hier geht alles, sogar gleichzeitig, nur eines geht nicht: unbeteiligt bleiben. Wenn Hilde Pohl über die Tasten fliegt, schwebt, gleitet und tigert, überzeugt Frankens einzige Swingpianistin am Flügel ebenso, wie die Knef einst stimmlich aufwühlte. Swing pur, bei dem die Künstlerin trotz akrobatischer Tempi im Anschlag variabel bleibt – lediglich die Roten Rosen hätten in der Solo-Version weniger metallische Härte vertragen.
Kongeniale Partner findet Hildegard Pohl in Traumtrommler und Geräuschkreator Yogo Pausch (Drums) wie Norbert Meyer-Venus, der am Kontrabass zwischen Auftrumpfen und Diskretion mühelos für den gerade benötigten Sound sorgt. Jazz, Klassik, Blues, hier färbt und ergänzt sich alles aufs Schönste. Bekannte Künstler aus der Region in Hochform, mit spürbar unbändiger Freude an der Musik. Da gibt’s nur eins: hören!
«Der große Hildegard Knef Abend», 16. Januar, 20 Uhr, Hubertussaal, Dianastr. 28, Karten unter: 26 15 10; Außerdem: 13. Februar, 19.30 Uhr, Schloss Schwaig bei Nürnberg, Karten: 09 11/5 00 99 37.
Nürnberger Zeitung/Kultur Mai 2009
GNM-Ausstellung mit Prominenz eröffnet
Die Kunst musste anstehen

Kunst rüttelt auf. Die Musik übernahm diese Aufgabe zunächst – die bildende Kunst jedoch musste am Mittwochabend bei der Eröffnung der Ausstellung «Kunst und Kalter Krieg» im Germanischen Nationalmuseum (GNM) lange anstehen. Schließlich wollen fünf Reden erst einmal gehalten sein ...
So verknüpften Hilde Pohl (Piano) und Norbert Meyer-Venus (Bass) Haydn und Eisler zu einer aufrüttelnden Jazz-Improvisation, die selbst im hoffnungslos überfüllten Aufseß-Saal für frischen Wind sorgte. GNM-Generaldirektor Ulrich Großmann dankte all jenen, die die Ausstellung «Kunst und Kalter Krieg: Deutsche Positionen 1945–89» (die NZ berichtete) möglich gemacht hatten. Schließlich bahnte sich die Thematik für Nürnberg seit Jahren an – nun hat es endlich geklappt. Großmann lobte die gute Stimmung beim rasanten Aufbau – Wolfgang Heubisch, Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, lobte gleich weiter – in Richtung Musik: «So locker habe ich das Deutschlandlied noch nicht gehört!»
Das Gostner Hoftheater (Hubertussaal Dianastraße 28 Nürnberg)
präsentiert am Sonntag den 3.5.2009 19:30 Karten: 0911/261510
Für uns soll`s rote Rosen regnen
Hilde spielt Hilde
"Der große Hildegard Knef-Abend"
Hildegard Pohl Trio spielt Hildegard Knef Songs
YOGO PAUSCH-drums HILDEGARD POHL-piano NORBERT MEYER-VENUS-bass
Ein heftiger Swingregen erwartet Nürnberg im Mai. La Knef gibt die
Steilvorlage zum neuen Programm des Hildegard Pohl Trios.Die spröde
Stimme der großen deutschen Filmlady erreichte Kultstatus, nicht nur in
Deutschland. Hilde Pohl, Frankens einzige Swing-Pianistin, am Flügel,
Yogo Pausch am Schlagwerk und Norbert Meyer-Venus am Bass legen
die immer noch frischen Songs neu auf, färben sie mit vielen bunten
Jazzfarben und spielen damit - im wahrsten Sinne des Wortes. Und wer
die Knef liebt wird auch dieses Trio mögen, oder doch zumindest hören
wollen. Tapetenwechsel - für unglaubliche Songs.
Das Hildegard-Pohl-Trio spielt an diesem Abend eine spezielle Auswahl
an Liedern der Künstlerin Hildegard Knef. Es wird instrumental über diese
zu Welthits avancierten Songs improvisiert - und vielleicht der eine oder
andere Hilde Knef-Song von Hilde Pohl "chansoniert". Mal sehen..........
Hilde Pohl am Piano,
Norbert Meyer-Venus am Kontrabass
Yogo Pausch an Trommeln und Geräuschen
DIE WILDE HILDE & YOGO PAUSCH
Frankens musikalisches Vorzeigeduo
Mozart, Keith Jarrett, Chopin und Oscar Peterson hocken einen Abend lang gemeinsam in einer Jazzkneipe und lassen es sich richtig gut gehen. Es groovt heftig und swingt berauschend, wenn Frankens einzige Swing-Pianistin und Nürnbergs bekanntester Traumtrommler Jazzstandards und Klassikhits auspacken. Yogo Pausch an Schlagzeug, Quietschente, Sirene und Revolver lässt ein Feuerwerk an Klangmöglichkeiten ab und die „Wilde Hilde“ Pohl mit den elastischen Fingern brilliert mit virtuoser Technik und stilübergreifenden
Improvisationen. Das Duo sorgt für geistreiche Brüche und jongliert zwischen den Stilen und Epochen, als lägen die nur einen Swing - oh Verzeihung – Fingerschlag auseinander.
Viel Spaß!!
«Fränkische Fantasien» in der Katharinenruine
Jenseits des Gschmarri-Horizonts
Nürnberger Zeitung

Dem allerschönsten Dialekt setzte Hermann Strebel einst in Reimform ein Denkmal. Der Nürnberger Mundartdichter hätte an Schlagwerker Yogo Pausch, Pianistin Hilde Pohl und Geschichtenerzähler Michl Zirk sicher seine Freude gehabt, denn das Trio tauchte am vergangenen Dienstagabend mit dem Programm «Fränkische Fantasien» tief in den rot-weißen Mikrokosmos ein.
Aber man muss die hiesige Mundart schon mögen, wenn ein Unterfranke, eine Wahlfränkin aus Stuttgart und ein waschechter Gartenstädter zu parlieren beginnen. Da fehlt eigentlich nur noch ein Oberfranke, doch mangels Alternative tut es auch ein Emigrant, der von Sachsen nach Bayreuth übersiedelte.
Tatort Katharinenruine: Ein bekennender Schweinfurter erzählt die Geschichte der Wagner-Oper «Die Meistersinger von Nürnberg». Diese beginnt einst in der mittlerweile zum Skelett mutierten Katharinenkirche. Als Hauptpersonen agieren der Schuster und Dichter Hans Sachs, der Stadtschreiber Sixtus Beckmesser, der junge Ritter Walther von Stolzing sowie die liebreizende Eva Pogner. Es wird gezärtelt, intrigiert, geprügelt, gelogen und natürlich gesungen, und am Ende finden sich Held und Jungfrau.
Mit der sehr eigen dargebotenen Version der Wagner-Oper werden die «Fränkischen Fantasien» eingeläutet. Zirk und Co. veranschaulichen damit, dass sie nicht auf Teufel komm raus witzig sein wollen und der übliche fränkische Gschmarri-Horizont aus Bratwürsten, Lebkuchen und Club überschritten werden soll. Auf dem Programm stehen skurrile Miniaturen in Wort und Musik, und die Geschichten werden nicht allein mit fränkischer Zunge erzählt. Musik und Geräusche spielen eine ebenso große Rolle, so wird der Schönheit von Eva mit einer Boogie-Woogie-Variante von «Siebzehn Jahr, blondes Haar» gehuldigt.
Überhaupt sind eher Pohl und Pausch für den Klamauk zuständig. Die eine zeigt Virtuoses mit Swing-Touch, der andere würzt die Geschichten mit seinem Sammelsurium an Trommeln, Becken, Gongs und diversen anderen Klangerzeugern. Smetanas «Moldau» wird zur «Kleinen Pegnitzmusik», und der «Frankenschnellweg-Blues» bietet brauchbare Autofahrertipps: «Planst du eine Autofahrt nach Fürth, bist du dann in Forchheim, hast du dich geirrt.»
Oft kommt es dabei auf die poetischen Zwischentöne an, diese können im Klassik-Anzug daherkommen, durch Jazz-Einsprengsel entstehen oder mit Hilfe des Sprachwitzes des Erzählers erzeugt werden. So berichtet Zirk von der Logik fränkischer Viehhirten, Pohl von ihren Erlebnissen «um Viertel vor drei bei Karstadt am Kuchenbuffet». Da verzeiht man selbst Profanes wie die Mundart-Version von «Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen.» Dass die sich als unglaublich nervig entwickelnde Wagenlenkerin aus Fürth kommt, versteht sich wohl von selbst.
Thomas Susemihl
nn-pegnitz-zeitung 9.4.08
Von "Aida" zur wilden Muppet-Show
Schwaig: Großer Andrang zur mitreißenden Premiere des Hildegard-Pohl-Trios

Ein Riesenaufruhr herrschte an der Eingangstüre des Schwaiger Schlosses: Viele Musikfreunde waren auch ohne Eintrittskarten erschienen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Gast sein Ticket nicht abholt. Aber auf die Besitzer fast aller Karten war Verlass, denn wer würde sich schon ein Premierenkonzert mit der "wilden Hilde" entgehen lassen? Gemeinsam mit dem bekannten Schlagzeuger Yogo Pausch und dem Bassisten Norbert Meyer-Venus präsentierte Pianistin Hildegard Pohl ihr neues Musikprogramm "Swing Goes Opera".
Obwohl sich Paul Laschinger vom Schwaiger Kulturbüro Mühe gab, jedes freie Plätzchen im Schloss noch mit einem Stuhl zu bestücken, mussten dennoch ein paar Swing-Anhänger wieder nach Hause geschickt werden. Wer aber einen der begehrten Plätze ergattert hatte, den erwartete ein schwungvoller Abend mit dem Hildegard-Pohl-Trio. Die zierliche Pianistin schlug auch an diesem Abend wieder fantastisch große Töne an. Wegen Heiserkeit klang ihre Stimme ein bisschen wie die von Joe Cocker, aber ihre Kollegen Pausch und Meyer-Venus beteuerten, wie sexy ihre "Mörderstimme" klänge.
Und das passt zum Thema, denn gestorben wird in der Oper nicht selten, und gerade die Frauen trifft oft ein grausames Los. Deshalb gibt Hildegard Pohl den Damen noch einen guten Tipp: "Singen Sie nie eine Arie, wenn Sie sich in einen Mann verlieben, denn Sie werden sterben!"
Ganz so ernst geht es bei dem Trio dann doch nicht zu, wenn der Triumphmarsch aus Verdis "Aida" mit dem Thema der Muppet-Show verschmilzt. Die wilde Hilde lockert die schwere Kost beschwingt auf, und so geht "die Königin der Nacht" aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" gerne eine Liebschaft mit "Somewhere over the Rainbow" ein.
Ein leidenschaftlicher Liebhaber steckt wohl auch in Yogo Pausch, der nicht nur zu den üblichen Pfeifen und Tröten griff, sondern zu Bizets Oper "Carmen" sogar die Kastagnetten auspackte. Mit Bossa nova und Tango garniert, wurde Carmens Arie ein Feuerwerk südamerikanischer Rhythmen. Aber das Mutterland der Oper ist eigentlich Italien, und so spielte das Jazz-Trio zahlreiche Klassiker von Verdi, Puccini oder Rossini. Alle natürlich aufgepeppt durch Hildes wilde Jazz-Improvisationen, dem souveränen Bass von Norbert Meyer-Venus und Yogo Pauschs unerschöpflichem Repertoire an Geräusch erzeugenden Mitteln.
Die wilde Hilde schreckt auch vor interaktiven Liedern mit dem bekannt introvertierten fränkischen Publikum nicht zurück. So improvisieren sich die drei Musiker mit Schlagern und Klassikern durch eine selbst gestaltete Operette.
Diese erzählt die Geschichte von Gabriele (Pohl), Günther (Pausch) und dem Schwan (Meyer-Venus), deren Handlung die Zuschauer aus der ersten Reihe vorgeben. Am Ende verliebt sich Gabriele zu "Schuld war nur der Bossa nova" bei "Stormy Weather" in Günther, während der Schwan, der "Über den Wolken" fliegt, sich am Ende als Storch entpuppt. Eine Fortsetzung ist unter "Die weiße Bratwurst am Wörthersee" geplant.
Wer an diesem Abend nicht in den Genuss von "Swing goes to the Opera" gekommen ist, muss nicht gleich eine Arie singen und Selbstmord begehen, aber sich das nächste Mal vielleicht frühzeitig eine Karte im Vorverkauf sichern.
Der Einsatz lohnt sich, denn das Hilde Pohl Trio hat wieder einmal bewiesen, dass es den großen Klassikern der Musikgeschichte durch exzellentes Spiel seinen Swing-Stempel aufdrücken kann, ohne die Schönheit der Originale zu schmälern.
Kathrin Wild
Aalener Nachrichten 19.2.2008
"Wilde Hilde" gewinnt mit frechem Programm das Publikum für sich AALEN (kul) Mit Kabarett-Pianistin Hildegard Pohl haben Aalens Soroptimist-Frauen eine Tastenvirtuosin an Land gezogen, die dem Klavier nicht nur schönste Töne entlockte. Sie hat es auch verstanden mit viel Charme und einem frechen Programm rasch das Publikum für sich zu gewinnen.
Einen Klaps hinter die Ohren bekäme der Nachwuchs, würde er das heimische Klavier wie Hildegard Pohl mit den Füßen traktieren. Die aus Stuttgart stammende Schwäbin erhielt für solch Eskapaden den Beinamen "Wilde Hilde". Doch nicht nur dafür, wie sich schnell herausstellte. Temperamentvoll erklimmt sie die Bühne, inszeniert ein klangvolles Klavierspiel, entwickelt ein Potpourri klassischer Melodien, läuft in deren Verjazzung zu Hochform auf. "Ich bin so glücklich, hier in Aalen zu sein", ruft sie nach dem letzten Akkord, streckt die Arme aus und lächelt über das ganze Gesicht. Kein Wunder, denn wo sonst Rasensportler nach dem Ballspiel sich mit der VfR-Prominenz trifft, darf nun die "Wilde Hilde" musizieren und lästern. Dass sie die erste Kabarettistin in der VfR-Lounge ist, nutzt sie umgehend dazu. Doch bevor sie sich dem Kabarett ganz zuwendet, widmet sie sich lieber der Musik, fragt, wie Chopin wohl klingen würde, wäre er heute unter den Lebenden.
Grandios bearbeitet sie die schwarz-weiße Klaviatur, sorgt für überraschende wie geistreiche Brüche. Immerhin ist Hildegard Pohl studierte Konzertpianistin, die aber nie ihre kabarettistische Ader zu kurz kommen lässt, beispielsweise wenn sich das Publikum gerade in eine wunderbare Klavierinterpretation von Bizets "Habanera" vertieft. Unverhofft werden die spanischen Klänge zurückbeordert, denn Hilde springt auf, singt schrill-schräg Carmens Arie. Auf die Publikumsmannen hatte es die "Wilde Hilde" besonders abgesehen. Sie waren Lieblingszielscheibe, wenn auch nicht die alleinige, da die Kabarettistin so manche Geschlechtsgenossin gleich mit auf die Schippe nahm. Hildegard Pohl zu beschreiben wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, zu unerschöpflich ihr Witz, zu virtuos die Musik, zu spöttisch ihre Plaudereien. Man muss sie einfach erleben, wie sie mit Mozart, Schu- und Claydermann jongliert, mit Zarah Leander und Schmidtchen Schleicher, Männer, Frauen und Wonderbras durch den Kakao zieht.
NN: 1.2.2008 18:20 MEZ
Die "wilde Hilde" - wenn Vornamen zum Schicksal werden Interview mit der Pianistin Hildegard Pohl
Was hält ein Richter von Mitleid? Oder: Wie denkt die Chefin der Arbeitsagentur übers Faulenzen? Jeden Samstag steht an dieser Stelle ein Nürnberger Rede und Antwort zu einem Thema, das man nicht gleich mit ihm verbindet. Heute im Gespräch: Pianistin Hildegard Pohl über schicksalhafte Namen.
Frau Pohl, Sie heißen Hilde, man nennt Sie deshalb «die Wilde». Ist es anstrengend, diesem Anspruch immer gerecht werden zu müssen?
Hilde Pohl: Ich finde es witzig, weil ich mich, als das aufkam, gar nicht als wild empfunden habe. Ich bin ja eine Pianistin mit klassischer Ausbildung. Als ich mit Jazz angefangen habe, kam das ins Gespräch. Es war wohl ein Redakteur des Bayerischen Rundfunks, der den Reim als Erster formuliert hat. Dann hat sich das verfestigt. Aber klar: Hieße ich Charlotte, wär’ ich wohl «Die Flotte».
Getauft wurden Sie auf den Namen «Hildegard». Waren Sie mit diesem Namen immer glücklich?
Pohl: Nein, ganz und gar nicht! Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die meisten Freundinnen Sabine oder Barbara hießen. Keine andere Hildegard gab es in meinem Umfeld. Wenn du dann als Teenager von anderen gesagt bekommst, «Schöner Name. Meine Tante und meine Oma heißen auch so», dann ist das schon eine Crux. Am Anfang meiner musikalischen Karriere habe ich deshalb an einen Künstlernamen gedacht. Pia Pohl - das hätte mir gefallen.
Warum haben Sie es nicht gemacht?
Pohl: Am Rande eines Konzertes hat mir ein älterer Herr gesagt, dass er Hildegard Knef und Hildegard Pohl ganz toll findet. Das hat mich gefreut, das war’s dann eigentlich.
Eltern wollen ihren Kindern mit dem Namen ja etwas mitgeben. Was war das bei Ihnen?
Pohl: Ich wurde nach Hildegard von Bingen benannt. Was ja eigentlich gut ist. Sie war schließlich die erste emanzipierte Frau und hat auch tolle Musik komponiert. Sie hat auch sehr konsequent gelebt. Ich war ja ein katholisches Kind – und spiele immer noch unregelmäßig die Orgel in Kleinreuth hinter der Veste. Schließlich: Hildegard bedeutet «die im Kampf Schützende». Das ist doch nicht schlecht.
Aber manchmal fragt man sich schon, was sich Eltern so denken. Musste Familie Zufall aus Trostberg ihren Sohn Reiner nennen? Muss der Sohn des Berliner Ehepaares Wurst Hans heißen?
Pohl: Das gibt’s wirklich? Na ja, das klingt schon nach böser Absicht. Aber es ist doch so, dass viele Kinder ohnehin nicht mit ihrem Namen einverstanden sind. Was sich aber im Laufe der Jahre abschleift. Denn es läuft doch kein 50-Jähriger herum und sagt «Mist, dass ich Thomas heiße». Meine Kinder heißen Victor, Victoria und Valerio. Ihnen haben ihre Namen auch nicht immer gefallen, ich bin nicht mal sicher, ob das jetzt so ist.
Verräterisch sind Namen aber allemal. Bei einem Klaus weiß man, dass er keinesfalls ein Baby ist, weil der Name schon lange aus der Mode ist. Und ein Silvio kommt entweder aus Kalabrien oder aus der früheren DDR, wo internationale Vornamen ja als Zeichen des Protestes dienten.
Pohl: Das ist schon klar, aber es ist doch auch faszinierend, dass gar nicht so extravagante Namen zu einer ganz bestimmten Person so passen wie die Faust aufs Auge. Nehmen wir Karl Lagerfeld, das ist doch einfach perfekt.
Oder Hans Meyer – ein Name, bei dem man geradezu vor sich sieht, wie da einer mit riesengroßen Händen Probleme aus dem Weg räumt. Wie stehen Sie überhaupt zu den lokalen Größen – rein namenstechnisch?
Pohl: Hanns-Thomas Schamel, der Name meines liebsten Meerrettich-Herstellers, ist so ein klangvoller Name, energetisch im Fluss! Beim Oberbürgermeister finde ich den Nachnamen Maly so prima, dass der Vorname eigentlich egal ist. Julia Lehner ist für mich passend, weil ich mir bei ihr vorstellen kann, dass sie immer ein paar Verehrer, also Romeos hat. Günther wirkt auf mich als Vorname ziemlich neutral. In Verbindung mit Beckstein passt er dann doch wieder. Yogo Pausch ist auch eine Marke. Er hat sich seinen Künstlernamen von einer Hexe aus dem «Fix & Foxi»-Heft geliehen. Der passt viel besser als Helmut, sein richtiger Name.
Und wie stehen Sie heute zu Ihrem eigenen Namen. Möchten Sie lieber anders heißen?
Pohl: Ich habe wahrscheinlich das durchgemacht, was viele andere erlebt haben. In jedem Alter gab es andere Wunschnamen. Mit Zwölf wäre ich gerne Sabine gewesen, mit 16 lieber Sophie, mit 27 zwecks Wagner-Begeisterung Cosima. Ich habe Zeiten erlebt, da wechselte das alle vierzehn Tage.
Aber heute würde ich selbst Hildegard nehmen, hundertprozentig, ohne Wenn und Aber. Ich habe mich im Laufe der Jahre mit meinem Namen versöhnt. Und jetzt fühle ich mich super wild, äh, wohl damit.
Klaus Schrage
- Nürnberger Nachrichten 18.12.2007 -
Swingtricks des Hilde-Pohl-Trios:
Chopin und die Wassermelonen
Die Nürnberger Swingpianistin Hilde Pohl hat mit ihrem Trio eine neue Platte eingespielt: Klassik von Bach bis Ravel swingt dabei so stark, dass sogar Ohrwürmer endlich wieder interessante Hörerlebnisse bescheren. Frontfrau Hilde Pohl bringt gleich zu Anfang Frederic Chopin und Herbie Hancock zusammen. Ein unmögliches Paar? Die Virtuosin sorgt für Harmonie im Stilmix der Epochen, sie hat auf dem Flügel die Anschlagsnuancen für beide Altmeister parat. Swingtricks lassen auch Beethovens Wutausbruch über den verlorenen Groschen - die Pianistin lässt ihn Euro verlieren - in neuen Klangfarben erscheinen. Am Ende lächelt Choleriker Ludwig. Robert Schumann wird zitiert, Mozart, Ravel und Saint-Saëns wandeln sich postum zu Jazzern, und die Königin der Nacht singt in einer schummrigen Pianobar. Für Atmosphäre sorgen auch zwei ausgebuffte Profis am Schlagzeug und am Bass. Yogo Pausch setzt als Spitzenklöppler eigene Akzente. Der Trick: Hilde Pohl spielt das Publikum mit den Tasten schwindlig, der Trommler verdichtet den Groove immens. Ebenfalls eigenständiges musikalisches Profil zeigt Norbert Meyer-Venus am Bass. Von wegen Begleitung: Phasenweise übernimmt sein Bass Melodie und Regie und setzt obendrein rhythmische Akzente, etwa bei Saint-Saëns`Schwan. Bestechend sind aber nicht allein die Arrangements mit virtuosen solistischen Einlagen. Die Platte kündet vor allem auch von der puren Lust des eingespielten Trios am musikalischen Fabulieren.
Lorenz Bomhard
14.2.2007 NN | Kritik im Schwabacher Tagblatt |
ROSEN ZUR VERSÖHNUNG
Fränkische Erfahrungen der “wilden Hilde” rund um den Valentinstag

SCHWABACH (ukb) – Valentinstag und Rosenkrieg? Bei Hildegard Pohls Auftritt in der Galerie Gaswerk lernte man ganz schnell, dass diese beiden Begriffe zusammen passen. Denn dies brachte die “wilde Hilde” ihrem Publikum in höchst vergnüglicher und explosiver Art mit Stimme und Klavier bei. Für sie war klar, dass das Operettenlied über die Rosen wirklich nur für Tirol im Sinne des Valentinstages gelten könne, aber nicht für die Franken.
Hildes Erfahrungen in Herzogenaurach, Forchheim, Nürnberg-Stadt und Roth führten zu der ernüchternden Erkenntnis: “Rosen gibt es dann im Frankenland, wenn man sich hatte gezankt!” Das Energiebündel auf der Bühne begnügte sich bei weitem nicht mit lockerem Plausch über den Valentinstag, über das Verhältnis von Mann und Frau, sondern unterlegte alles, was sie sagte, mit Liedern, die sie temporeich auf dem weißen Klavier spielte.
So erzählte sie mit den entsprechenden Melodien von den verschiedensten Stationen ihres Lebensweges, der in Stuttgart begann und sie als ausgebildete Konzertpianistin ins Frankenland führte. Bunt gemischt erklangen dabei Klassik, Rock und Pop entweder in der Originalversion angespielt oder bearbeitet als Basis für die eigenen, frechen Texte, die sie ihrem Publikum selbstbewusst entgegen warf. Dem Publikum ließ die “wilde Hilde” keine Chance. Es musste von ihr begeistert sein .
Forsch forderte sie ihr Auditorium zur Melodie “Rocking all over the World” auf, sich als ihre Groupies “all over the world” zu beweisen. Und spätestens als die wilde Hilde einen virtuosen, atemberaubenden Cocktail aus Chopins Minutenwalzer, Kufstein-Lied, Yesterday, dem Clou, dem kleinen grünen Kaktus sowie den Rosen der Hilde Knef servierte, hatte sie ihr Publikum restlos für sich gefangen genommen und zu den wahren Groupies verwandelt.
Gerade bei den spontanen Musikpräsentationen vermochte sie ihr faszinierendes Können, ihre Musikalität wie ein Feuerwerk auf der Bühne abzubrennen. Als sie schließlich zur großen Show ausholte, verband sie spontane Publikumswünsche bis zu zehn Titeln zu einem genialen Medley. Kontrastreich verknüpfte sie so die Elise von Beethoven mit Angie der Stones und der Arie von der Königin der Nacht als Beethovens Rockerbraut.
Doch nicht nur mit ihrem musikalischen Können bestätigte Hildegard Pohl ihren Beinamen “wilde Hilde”, sondern auch mit ihrer temperamentvollen eloquenten Art, mit der sie das Publikum zu ihrem Showpartner umfunktionierte. Mitmachen war angesagt: als Gesangspartner, als Assistent oder als Chor. Zum Dank dafür wurde das Publikum nicht nur mit zwei Stunden kurzweiligem mitreißenden Musik – Entertainment, einem Meerrettich-Senf als “Jungmacher” beglückt, sondern auch noch mit Rosen beworfen.